Ilwad Elman erhält den Deutschen Afrika-Preis 2020

Der somalisch-kanadische Friedensaktivist Ilwad Elman wurde mit dem Deutschen Afrika-Preis 2020 ausgezeichnet. Die German Africa Foundation hat bestätigt, dass sie später in diesem Monat in Berlin von Bundesaußenminister Heiko Maas geehrt wird.

Sie ist vielleicht erst 30 Jahre alt, aber Ilwad Elman gilt bereits als eine der führenden Stimmen Somalias, da das Land vorläufig auf Stabilität zusteuert. Elmans Bemühungen haben die Deutsche Afrika-Stiftung veranlasst, ihren Festzeltpreis an den international anerkannten Experten für Konfliktlösung zu übergeben, der aus einer Auswahlliste von 30 Kandidaten ausgewählt wurde.

Als Somalia Anfang der neunziger Jahre in den Bürgerkrieg geriet, hatte ihr Vater Elman Ali Ahmed – ausgebildeter Ingenieur sowie Unternehmer und sozialer Aktivist – Rehabilitations- und Ausbildungsprogramme für somalische Kindersoldaten und Waisenkinder aus dem vom Krieg heimgesuchten Somalia eingerichtet. Als Mogadischu unsicher wurde, musste Ilwad Elman als Zweijährige mit ihrer Mutter nach Kanada fliehen. Ihr Vater entschied sich für einen Aufenthalt in Somalia, wurde jedoch 1996 ermordet.

Trotz der Gefahr kehrte Ilwad 2010 mit ihrer Mutter und ihren Schwestern nach Somalia zurück, um die Arbeit und das Erbe ihres Vaters fortzusetzen. In den letzten zehn Jahren haben Ilwad und ihre Mutter Farttun Adan das Elman Peace Center aufgebaut, eine eng geführte gemeinnützige Organisation mit 172 Mitarbeitern und acht regionalen Niederlassungen.

“Ich freue mich sehr über diese Anerkennung aus Deutschland”, sagte Ilwad gegenüber Journalisten, nachdem er von ihrer Auszeichnung erfahren hatte. “Der Preis ist ein großes Kompliment für unser Team und wichtig, weil Deutschland in vielen unserer Projekte ein wertvoller und zuverlässiger Partner ist.”

Als Ilwad 2010 aus Kanada zurückkehrte, befand sie sich inmitten eines instabilen, gescheiterten Staates mit einer drohenden humanitären Krise. Große Teile Somalias, einschließlich der Hauptstadt Mogadischu, wurden von der fundamentalistischen Al-Shabaab-Miliz überwacht. Ilwad Elman sah nicht nur das Erbe ihres Vaters in Gefahr, sondern konnte auch andere soziale Geißeln wachsen sehen.

“Gewalt gegen Frauen und Mädchen war an der Tagesordnung, Kinderehen wurden sozial akzeptiert. Die konservative somalische Gesellschaft tolerierte dies und die politische Elite bestritt dies offen.”

Zusammen mit ihrer Mutter übernahm Ilwad Elman das Projekt ihres Vaters, Kindersoldaten und Bürgerkriegswaisen wieder in die somalische Gesellschaft zu integrieren. Ihr hoch angesehenes Bildungsprogramm “Lass die Waffe fallen, nimm den Stift” hat Tausenden jungen Menschen geholfen, sich an das zivile Leben anzupassen. Das erfolgreiche Programm mit seinen modernen Therapiemethoden, kostenlosen Lehrlingsausbildungsprogrammen und dem innovativen Finanzierungsmodell wird jetzt auch in Mali und im Gebiet des Tschadsees eingesetzt.

Durch ein anderes Programm, “Schwester Somalia”, stellte Elman die erste Anlaufstelle für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt in Somalia her. Das Programm sieht bis zu 40 neue Fälle von Frauen vor, die täglich über Vergewaltigungen berichten, und Schwester Somalia zeigt, wie kritisch geschlechtsspezifische Gewalt in Somalia ist. Die Lobbyarbeit von Ilwad Elman hat ebenfalls Lob verdient. Im Jahr 2018 verabschiedete die somalische Regierung ein Gesetz, das sexuelle Gewalt zu einer Straftat macht. Das Gesetz wird derzeit jedoch vom Parlament überprüft, und Aktivisten befürchten, dass das Gesetz verwässert wird.

Vor kurzem musste Ilwad Elman eine immense persönliche Tragödie überwinden. Im November 2019 wurde ihre Schwester Almaas, eine Helferin, in Mogadischu erschossen – angeblich durch eine Streukugel. Die Ermittlungen ergaben wenig, und es ist unwahrscheinlich, dass der Täter gefasst wird. Trotzdem beschlossen Elman und ihre Familie, in Somalia zu bleiben, sagte sie gegenüber Journalisten. “Wir wollen unsere humanitäre Arbeit für Freiheit, Versöhnung und Chancengleichheit fortsetzen, und für uns ist dies der beste Weg, um Almaas Erbe zu ehren.”

Ilwad ist sich bewusst, dass sie in ihrem Land ein Vorbild geworden ist.

“Somalia ist ein junges Land, 75% sind jünger als 30 Jahre. Die meisten meiner Anhänger sind Mädchen und junge Frauen. Sie wollen ein anderes Somalia für die Zukunft.”

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