Indische Diaspora in Deutschland bedauert den ‚faschistischen‘ Staatsbürgerschaftsakt

Die Proteste gegen das indische Gesetz zur Änderung der Staatsbürgerschaft breiten sich nun auch in ganz Europa aus. Wie wirken sich die Einbürgerungspläne der Regierung auf die indische Diaspora in Deutschland aus?
Die in München geborene Saboura Manpreet Naqshband hatte sich in Indien jahrelang sicher und wohl gefühlt. Dort gelebt zu haben, war ein Gefühl, das sie in ihrem Geburtsland nicht immer erlebt hat. “Meine Mutter ist eine Muslimin aus Südindien und mein Vater ist Sikh aus Nordindien. Sie waren Ende der 70er Jahre Wirtschaftsmigranten nach Deutschland. Wir sind eine kleine Gemeinde in Deutschland und für die deutsche Kultur und die Öffentlichkeit wirklich unsichtbar. ” Doch angesichts der Entwicklungen in den letzten Wochen sieht Naqshband Indien anders und ist zunehmend besorgt um ihre Familienmitglieder – einschließlich ihrer Großmutter mütterlicherseits -, die im südöstlichen Bundesstaat Pondicherry leben.
Im vergangenen Monat verabschiedete die regierende hinduistische nationalistische Bharatiya Janata-Partei (BJP) das Gesetz zur Änderung der Staatsbürgerschaft (Citizenship Amendment Act, CAA), mit dem die Einbürgerung nichtmuslimischer Flüchtlinge, die vor 2015 aus dem benachbarten Pakistan, Bangladesch und Afghanistan nach Indien kamen, beschleunigt wird Die Gesetzesvorlage deckt Hindus, Sikhs, Buddhisten, Jains, Parsis und Christen in den drei Ländern ab, ausgenommen sind Muslime. Die Regierung sagt, das Gesetz werde verfolgte Minderheiten schützen, aber Kritiker sagen, es sei diskriminierend und verstoße gegen die säkulare Verfassung des Landes. Am Mittwoch weigerte sich der Oberste Gerichtshof Indiens, das CAA-Gesetz zurückzustellen.
Der CAA-Gesetzesentwurf folgt den Plänen der Regierung, das National Register of Citizens (NRC) einzuführen, wonach jede Person in Indien einen Nachweis über ihr gesetzliches Recht auf Leben in Indien erbringen muss. Muslime, die fast 15% der 1,3 Milliarden Einwohner ausmachen, befürchten, dass der Umzug darauf abzielt, sie an den Rand zu drängen. Unterdessen sagen die Stimmen der Opposition, dies sei die jüngste Maßnahme auf der Tagesordnung der Regierung, um eine hinduistische Nation zu schaffen. “Ich mache mir Sorgen um meine Familie und das Potenzial für unkontrollierte Gewalt”, sagt Naqshband, der in Berlin lebt. “Ich war immer stolz darauf, Südasiat und Muslim zu sein, und in der indischen Kultur gibt es so viel Raum für Pluralismus und Vielfalt. Aber dies wird jetzt vom Faschismus zerstört.”

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