Äthiopien: Kampf gegen die Biopiraterie

Ein umstrittenes Patent auf Äthiopiens Getreideteff steht kurz vor der Kündigung – auch dank der Initiative eines deutschen Anwalts. Das Problem der Biopiraterie ist jedoch noch lange nicht gelöst.
Teff, auch Zwerghirse genannt, ist für Äthiopien, für Mexiko Mais und für China Reis: das wichtigste Nahrungsmittel des Landes, die Grundlage für das Nationalgericht Injera – ein weiches, schwammiges, pfannkuchenartiges Brot – und ein wichtiger Bestandteil seines kulturellen Erbes.
Die Landwirte im äthiopischen Hochland haben vor 3.000 Jahren begonnen, Teff zu kultivieren. Vielleicht ist es verständlich, dass sich viele Äthiopier darüber ärgern, dass ein niederländisches Unternehmen ein Patent auf verarbeitetes Teffmehl besitzt. In einigen europäischen Ländern darf bis heute kein Mehl aus dem glutenfreien und nährstoffreichen Superkorn verkauft werden, ohne dass Lizenzgebühren an die Niederlande gezahlt werden. Dies könnte sich bald ändern, und wenn doch, wird dies teilweise auf die private Initiative eines deutschen Anwalts zurückzuführen sein. Das Europäische Patentamt hat ihm das Monopol für eine breite Palette von Produkten aus Teff in Europa eingeräumt. Dies löste in Äthiopien Bestürzung aus. “Die Leute sagten: Was machen die Holländer? Teff gehört zu den Äthiopiern, nicht zu den Europäern”, erinnert sich Azeb Tadesse-Hahn.
Kann man eine Pflanze patentieren lassen, die in einem Land seit Tausenden von Jahren ein Grundnahrungsmittel ist? Das ist kompliziert, sagt der auf Patentrecht spezialisierte Düsseldorfer Rechtsanwalt Anton Horn.

Facebook
Twitter