Jugendliche prägen die Diskussion in Davos

Elftausend junge Menschen engagieren sich bislang in einem Netzwerk, das vom Weltwirtschaftsforum als “Global Shaper” gegründet wurde. In diesem Jahr wurden 52 von ihnen eingeladen und machen sich in Davos bemerkbar.
Plötzlich weint er und mein Gespräch mit Joseph Okello wird immer wieder unterbrochen, weil die Erinnerungen ihn überwältigen. Ich treffe den jungen Mann in Davos beim World Economic Forum (WEF). Wir sitzen in einem Plastikwürfel, der auf eine Eisbahn gestellt wurde. Okello trägt eine dicke Jacke, die er als Geschenk erhalten hat. Er kann kaum glauben, dass er jetzt in der Schweiz ist. Der Kontrast zu seinem wirklichen Leben ist einfach zu groß. Joseph Okello lebt im Flüchtlingslager Kakuma im Norden Kenias. Es wurde 1992 für jugendliche und jugendliche Flüchtlinge aus dem Südsudan eingerichtet und hat heute über 100.000 Einwohner. Bewohner dürfen das Camp nur mit einer Sondergenehmigung verlassen. “Es gibt viel Hoffnungslosigkeit”, sagt Okello leise, “wir sind eine Generation, die im Lager aufgewachsen ist.”
Seine Mutter schickte ihn mit einer Tante nach Kenia, nachdem sein Vater ihn halb totgeschlagen hatte. Der Junge war zu der Zeit 4 Jahre alt und blieb allein im Lager. “Es war wirklich schwer”, sagt er und weiß nicht mehr genau, wie er es geschafft hat. Er arbeitete, schleppte Steine und fand immer Unterstützung im Lager. Sein einziger Besitz waren Shorts, die er das ganze Jahr übertrug. Okello kannte lange Zeit nicht einmal seinen Familiennamen und hatte überhaupt keinen Kontakt zu seiner Familie. Erst viele Jahre später, als er ein Teenager war, wurde seine Identität geklärt. Dann erhielt er eine Nachricht von seiner Mutter und konnte es kaum glauben. “Wir sind drei Wochen zusammen geblieben”, sagt er und seine Augen leuchten. Aber nur vier Monate nach diesem Treffen starb seine Mutter und Joseph Okello war wieder allein.

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