Internationale Studierende mussten monatelang auf deutsche Visa warten

Studenten in Indien, Marokko und Kamerun mussten nach einem Bericht über ein Jahr warten, bevor sie einen Visumtermin für ein Studium in Deutschland bekamen. Die Grünen kritisierten die wachsenden Wartezeiten als “entmutigend und demotivierend”.
Laut einem Bericht vom Donnerstag haben internationale Studierende, die in Deutschland studieren möchten, zunehmend Probleme, sich ein Visum zu sichern. Bei 24 deutschen Botschaften und Auslandsvertretungen im Jahr 2018 mussten die Studenten über acht Wochen warten, bis sie einen Termin erhielten, um überhaupt ein Visum zu beantragen, berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung. Die Daten stammen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. In einigen Fällen mussten die Studenten über ein Jahr auf ihren Visumtermin warten, teilte das Ministerium mit und fügte hinzu, dass die längsten Wartezeiten in Indien, Marokko und Kamerun verzeichnet wurden. Die bürokratischen Verzögerungen scheinen immer schlimmer zu werden, da im Jahr zuvor nur Studenten, die in der iranischen Hauptstadt Teheran ein Visum beantragen, über ein Jahr auf ihre Ernennung warten mussten. Die einzigen deutschen Botschaften, die keine langen Verspätungen für Studenten hatten, waren in Ägypten, Usbekistan und Tadschikistan. Für alle anderen Länder waren lange Wartezeiten zur Norm geworden. “Mehrmonatige Wartezeiten für Visa sind inakzeptabel und wirken entmutigend und demotivierend für internationale Talente”, sagte Kai Gehring, der Sprecher der Grünen für Forschungs- und Hochschulpolitik, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Dem aktuellen Migrationsbericht der Bundesregierung zufolge sind derzeit 400.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. 2017 kam die größte Gruppe internationaler Studenten aus China, gefolgt von Indien und den USA. Studenten aus Syrien gehörten ebenfalls zu den am besten eingeschriebenen Gruppen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel will Deutschland für internationale Experten und Fachkräfte attraktiver machen. Ein neues Einwanderungsgesetz, das im März in Kraft treten soll, soll ihnen die Einreise in das Land und die Arbeitssuche erleichtern. Da hochqualifizierte Studenten jedoch bereits mit langen Verzögerungen bei der Beantragung von Visa konfrontiert sind, äußerten sich die Grünen skeptisch, dass die Regierung ihre Pläne umsetzen könne.

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