Armutsgefälle zwischen reichen und armen Regionen vergrößert sich

Das Ruhrgebiet im Westen Nordrhein-Westfalens galt als “Problemregion Nummer eins”, was die Erzählung einer Ost-West-Kluft auf den Kopf stellt. Eine neue Studie forderte die Regierung auf, mehr zu tun, um die Armut zu beseitigen. Zwar ist die Armutsquote in ganz Deutschland gesunken, doch mindestens ein Viertel der 95 untersuchten Regionen verzeichnete laut dem am Donnerstag veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in den letzten zehn Jahren einen Anstieg um 20%. “Trotz der guten Nachricht, dass die nationale Armutsquote auf 15,5% gesunken ist, wächst die Kluft zwischen Wohlstandsregionen einerseits und Armutsregionen andererseits stetig und deutlich”, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Ulrich Schneider. Bayern hatte mit 11,7% die niedrigste Armutsquote, Bremen mit 22,7% die höchste. Was einst als Kluft zwischen dem reicheren Westen und dem ärmeren Osten galt, stimmte nicht mehr, stellte Schneider fest. Das Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen – das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland – galt dem Bericht zufolge als “Problemregion Nummer eins”. Es hatte eine Armutsquote von 21,1% mit einer Bevölkerung von etwa 5,8 Millionen. Besonders Jugendliche und ältere Menschen waren von Armut bedroht. In der Studie wurde die Regierung aufgefordert, einen “Masterplan zur Beseitigung der Armut” zu verabschieden, der die Erhöhung der Sozialleistungen nach Hartz IV und die Anhebung des Mindestlohns auf 13 EUR pro Stunde vorsieht. Die Armutsgrenze in Deutschland wird dadurch definiert, inwieweit das Haushaltseinkommen eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Wer derzeit weniger als 60% des Durchschnittseinkommens einer Region zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet.

Facebook
Twitter