Gründe für den guten Zweck

Immer mehr Unternehmer starten in Deutschland mit einem sozialen Ziel. Wenn Sie überzeugend und innovativ einer guten Idee folgen, sind Sie erfolgreich. Aber wie und was ist der tatsächliche Nutzen?
“Wir haben inzwischen mehr als 200 Flüchtlinge erfolgreich in den deutschen Arbeitsmarkt integriert!” Zarah Bruhn hat sich zu einer echten Integrationsexpertin entwickelt – und ist gleichzeitig eine leidenschaftliche Unternehmerin. Vor drei Jahren hatten sie und ihre Studienfreundin Maximilian Felsner Social Beefounded: Das gemeinnützige Zeitarbeitsunternehmen vermittelt Flüchtlinge in Arbeit und sichert gleichzeitig die Integration – etwa durch Deutschkurse, Workshops, Beratung oder Unterstützung im Umgang mit Behörden, für eine Arbeitserlaubnis oder Anerkennung der Berufsausbildung. “Wir wollen ein soziales Problem lösen – Integration ist unser Geschäftsziel”, sagt Zarah Bruhn. Damit hebt sich das Unternehmen mit mittlerweile 20 Mitarbeitern vom Wettbewerb ab. Social-Bee nutzt als gemeinnütziges Startup das Geschäftsmodell der Zeitarbeit, um nachhaltig und sozial unabhängig von Spenden oder Subventionen zu agieren.
Gründe und Erfolge haben, um Gutes zu tun: Das ist in Deutschland mittlerweile weit verbreitet. Neun Prozent der in den letzten fünf Jahren gegründeten Unternehmen zielen darauf ab, Gewinne zu erzielen und einen konkreten Beitrag zum Umweltschutz oder zur Lösung eines sozialen Problems zu leisten. “Social Entrepreneurship ist seit langem vor allem mit gemeinnütziger Arbeit verbunden. Heute verbinden Social Entrepreneurs klassische Profitabilität mit sozialen Belangen.” Georg Metzger von der KfW-Forschung, der einen Wirtschaftsbericht über Sozialunternehmer in Deutschland verfasst hat.
Die Wurzeln der Bewegung reichen in Deutschland in der Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert weit zurück. Am Ende des 20. Jahrhunderts gewann die Idee einer sozial orientierten Wirtschaft neue Dynamik: Mit dem bengalischen Ökonomen Muhammad Yunus, seiner Grameen Bank und der Mikrofinanzidee wurden soziale Unternehmen wieder öffentlicher. Denn die von ihm gegründete Bank vergibt Mikrokredite an Menschen ohne Einkommenssicherung und versucht so, die Armut der Bevölkerung zu lindern. “Viele Unternehmer machen soziale Verantwortung zu einem Unternehmenszweck”, sagt Metzger. “Und sie machen Gewinne, um weiter zu wachsen.” Diese Idee hat in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen – allein in Deutschland gab es im Jahr 2017 rund 154.000 Sozialunternehmer.

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