Neues Gesicht für Checkpoint Charlie

Das Herz einer einst geteilten Stadt ist heute ein verwirrendes Touristenziel, das täglich Tausende Menschen willkommen heißt. Die Berliner Regierung plant den Bau eines öffentlichen Platzes, eines Museums für den Kalten Krieg und weiterer Wohngebäude. Berlins legendärer Checkpoint Charlie wird einem drastischen Facelift unterzogen, nachdem sich die Stadtregierung am Dienstag auf einen umstrittenen Sanierungsplan geeinigt hat. Der ehemalige Grenzübergang teilte die Stadt einst in den kommunistischen Osten und den demokratischen Westen. Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 ist Checkpoint Charlie jedoch zu einem touristischen Ziel geworden, das von den Einheimischen als “historisches Disneyland” bezeichnet wird. Die Gegend bietet zeitweise eine Mischung aus öffentlichen und privaten Gedenkstätten und Museen und heißt täglich Tausende von Besuchern willkommen. Im November machten die lokalen Behörden Schluss mit Schauspielern, die sich als US-Soldaten verkleidet hatten und vor Ort für Selfies posierten. Neue Pläne, die in Absprache mit den Berliner Bürgern ausgearbeitet wurden, würden den Checkpoint Charlie vom Chaos in einen öffentlichen Platz mit einem Museum des Kalten Krieges und ein Wohnhaus mit rund 300 Wohnungen verwandeln, von denen einige für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen sind. “Unter Einbeziehung der Bürger wurden die Weichen für eine zukunftsorientierte Entwicklung dieses besonderen Ortes gestellt”, sagte die Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher am Dienstag in einem Statement. Die Sanierung der 1,3 Hektar großen Fläche ist umstritten. Im vergangenen Jahr lehnte die Stadt Berlin Pläne eines Entwicklers ab, Büros zu errichten und ein Hard Rock Hotel in der Nähe des Standorts zu eröffnen.
Seitdem wurden jedoch die Pläne von Linkspartei-Politiker Lompscher häufig kritisiert. Die Regierungskoalition teilt sich auf, ob der Bau von zwei Wolkenkratzern am Standort zulässig ist, und obwohl die Wolkenkratzer es nicht in den aktuellen Plan geschafft haben, besteht die Möglichkeit, dass sie später über 30 Meter hoch entwickelt werden. Die Debatte spiegelt die allgemeine Existenzkrise in Deutschland wider, in der überlegt wird, ob eine Ausweitung erfolgen soll, da der Druck auf die Unterbringungsmöglichkeiten in den letzten Jahren mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von Zehntausenden zugenommen hat.
Trotz anhaltender Meinungsverschiedenheiten zwischen der Stadtregierung billigte die Exekutive den Plan aus Angst, dem privaten Sektor uneingeschränkten Zügel zu lassen, wenn Anfang nächsten Jahres ein vorübergehender Entwicklungsstopp am Checkpoint Charlie ausläuft. Das Parlament der Stadt wird voraussichtlich vor Februar über den Plan abstimmen. Der Beginn der Arbeiten am Standort ist jedoch noch unklar.

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