Psyche und Pomp: Van Dyck in München

Man kann seinem tiefen Blick kaum entkommen. Sein Kopf ist leicht geneigt, der hübsche junge Mann mit den goldblonden Locken schaut den Betrachter aufmerksam aus seinen blauen Augen an – die roten Lippen öffnen einen Atemzug, als wollte er mit ihm in einen Dialog treten. Dass sich der Maler Anthonis van Dyck Anfang zwanzig perfekt inszenieren konnte, zeigt das Münchner Selbstporträt, das um 1620/1621 entstand. 1627 überarbeitete er es, fügte es hinzu und vergrößerte es zu einem Brustbild. Jetzt liegt seine rechte Hand, die er zuvor zum Kinn geführt hatte, auf einer Brüstung vor ihm. Eine schwere Goldkette schmückt die Schulter. Vermutlich erhielt er es während seines Aufenthalts in Italien 1622 von Herzog Ferdinando Gonzaga in Mantua.
Van Dyck ist einer der bekanntesten Maler des 17. Jahrhunderts. Er verdankt uns historische, mythologische, religiöse Gemälde und repräsentative Porträts der europäischen Elite seiner Zeit. Aber es gibt wenig Dokumentation über das Leben des weltberühmten Kosmopoliten. Es ist bekannt, dass er 1599 als Sohn eines Tuchhändlers in Antwerpen geboren wurde. Sein Geburtsort steht noch heute am Grote Markt. Im Alter von zehn Jahren begann er eine Lehre bei Hendrik van Balen, dem angesehenen Dekan der Luke Guild. Bereits 1615 eröffnete van Dyck seine eigene Werkstatt. Zwei Jahre später ist bereits eine Zusammenarbeit mit Peter Paul Rubens dokumentiert. Mit zwanzig Jahren wird er als Meister in der Antwerpener Lukasgilde geführt.

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