Deutschland drückt sich vor Verantwortung in der EU

Deutschland war einst leidenschaftlich proeuropäisch, und die EU erleichterte die Rückkehr des Landes nach dem Krieg in die internationale Gemeinschaft. Heutzutage? Nicht so viel. Und Berlins Passivität wird gefährlich. Waren die Deutschen einst die engagiertesten und leidenschaftlichsten Europäer, gehören sie heute zu den halbherzigsten. Obwohl Deutschland jahrzehntelang nach dem Zweiten Weltkrieg als größter Nutznießer der europäischen Idee langsam seinen Paria-Status verlor, konzentriert es sich nun stark auf seine eigenen Interessen. Noch schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass die deutschen Politiker Europa überhaupt nicht mehr viel Aufmerksamkeit schenken. Sie lassen einfach zu, dass die Dinge ihren Lauf nehmen, spielen aufholen oder stehen einfach nur bereit und beobachten, was als nächstes passiert. Es ist, als könnten sie nicht erkennen, worum es geht. In Europa und den USA ist ein Kampf um die Zukunft der liberalen Demokratie im Gange. In den USA konzentriert sich dieser Kampf hauptsächlich auf Donald Trump. In Europa ist die Situation vielschichtiger und weniger offensichtlich, aber nicht weniger gefährlich. Und Deutschland sollte als stärkste Volkswirtschaft des Kontinents an vorderster Front stehen. Stattdessen unternimmt das Land nichts, um sein Gewicht zu tragen. Es hockt mitten in Europa und scheint keine Ahnung zu haben, was es tun soll. Es gibt eine anti-europäische Tendenz innerhalb der deutschen Passivität – eine Tendenz, die sich nur 20 Jahre nach dem Rücktritt von Helmut Kohl als deutscher Kanzler bemerkbar macht. Das große Argument für die EU war damals, dass es die Überwindung europäischer Feindseligkeiten bedeutete. Heute geht es darum, den Kontinent als Zentrum der liberalen Demokratie zu erhalten.

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